Mittwoch, April 25th, 2012 | Author:

Unsere 30-Tage Reise durch Kambodscha war sehr intensiv und bewegend. Obwohl es ein „kleines“ Land ist, verliessen wir es mit dem Gefühl nicht genügend Zeit gehabt zu haben. Es wird sicherlich nicht unser einziger Besuch in diesem Land bleiben. Die Menschen sind berührend herzlich, emotional, temperamentvoll und offen und die Kinder so zauberhaft schön und intelligent, dass man sie allesamt gleich adoptieren möchte. An vielen Orten trifft man zahlreiche eingewanderte „Farang“ (Weisse), was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass man als Farang mit weit-offenen Armen empfangen wird.

Doch Cambodia hat eine extrem düstere Vergangenheit welche einem dermassen unter die Haut geht, dass einem das Herz zerbricht. Im immensen Kontrast dazu ist aber ein allgegenwärtiger Wandel zu spüren: die Menschen sind extrem freundlich und leben ein Leben voller Hoffnung und Freude, die Wirtschaft erlebt einen krassen Boom (wenn auch leider etwas in die falsche Richtung) und die Modernisierung holt die dunklen Jahre schnell auf.
Wir möchten euch in den folgenden paar Kapiteln erklären was wir damit meinen und unsere Gedanken dazu schildern. Wir hoffen sehr, dass diese teils sehr düsteren Details nicht einen zu negativen Eindruck hinterlassen, denn das Land ist sinnesberaubend schön.

 

-Die Khmer Rouge und der Kontrast von Elend und Freundlichkeit

Nicht einmal 40 Jahre ist es her seit das Khmer Rouge Regime die cambodianische Gesellschaft in ungeheures Leid und Verderben stürzte. Mit der Idee eines totalen Bauernstaates machten die Khmer Rouge aus allen Städten Geisterstädte und siedelten die Stadtbevölkerung aufs Land um wo alle Männer, Frauen und Kinder zu unmenschlichen Konditionen auf Feldern arbeiten mussten. Die Ernten wurden vom Regime nicht an das eigene Volk verteilt sondern ins Ausland verkauft um mit dem Geld Waffen zu kaufen – dadurch verhungerten Millionen von Menschen an extremer Unterernährung. Aber nicht nur das, die Khmer Rouge beschuldigten alle Städter und Intellektuelle an der Armut der Landbevölkerung schuld zu sein und mordeten mit extremer Brutalität und anhand von unglaublichen Kriterien wie Brille tragen, weiche Hände zu haben etc. Vor allem gegen Ende des Regimes wurden sie immer paranoider und mordeten aus Angst vor Rache von Angehörigen ganze Familien. Insgesamt starben in den knapp vier Jahren Schreckensherrschaft ungefähr ein drittel der gesamten Bevölkerung, sprich 3 Millionen Menschen.
In Phnom Penh kann man das ,Stung Treng Gefängnis‘, eine ehemalige Schule welche die Khmer Rouge zum Folter-Gefängnis umfunktioniert haben, sowie die berühmt-berüchtigten ,Killing-Fields‘ besuchen. Zeitzeugenberichte, Bilder und Reportagen sollen dazu beitragen, dass dieses Grauen nie vergessen wird und auch Aufmerksamkeit darauf lenken wie viele der Khmer Rouge Elite noch immer frei herumlaufen beziehungsweise noch immer politisch aktiv sind. Erst per 2010 wurden die ersten Personen verurteilt und viele Prozesse sind zur Zeit noch im Gange. Wer mehr über diese schreckliche Vergangenheit Cambodias erfahren möchte dem empfehlen wir das Buch/Film „The Killingfields“ von Christopher Hudson.

Für uns war der Moment unvergesslich als wir nach einem ca. 3-Stunden Besuch der Killingfields das Museum verliessen und uns unser Tuk-tuk Fahrer mit einem strahlenden Gesicht entgegenkam. Fast alle Cambodianer haben in der Zeit der Khmer Rouge gelitten und doch sind sie so freundliche und positivdenkende Menschen – man spürt keine Wut oder Aggression sondern Vergebung und Hoffnung… das ist extrem bewundernswert.

 

-Korruption und „Landraub“ durch ausländische Investoren 

Cambodia kann man wohl als typisches Schwellenland bezeichnen. Die Wirtschaft boomt, die durchschnittliche Bevölkerung ist aber noch immer arm besonders in den abgelegenen Gebieten des Landes. Wenn man sich aber auf der Haupttouristen-Route bewegt lässt sich das leicht vergessen denn alle Strassen sind neu, die Städte relativ sauber und man sieht viel Reichtum, sehr teure Autos (Hummer V2??!!) und teure Läden. Wie wohl in ganz Asien (und auf der ganzen Welt) regiert hier die Korruption. Überall werden ein paar Dollars dazu verdient und dies fängt schon auf allerhöchster Ebene an. Der Präsident hat in der Bevölkerung keinen grossen Respekt, macht er das Land zwar äusserlich reich bleibt doch der Kern arm. Schulen und Universitäten sind extrem teuer, alle Güter werden teurer doch der Durchschnittslohn liegt noch immer bei ca. 60 US Dollar pro Monat. Siem Reap, der Ausgangsort um das Angkor-Gebiet zu erkunden, ist ein richtiges Korruptionsspinnennetz. Die Stadt ist extrem sauber, ja richtig herausgeputzt. Doch nirgendwo sonst spürt man so stark was man als Tourist verkörpert; ein wandelndes Dollarzeichen. Vor jedem Hotel und Gasthaus lauern Tuktuk-Fahrer in Scharen um ihren Fahr-Service anzubieten – und Gasthäuser gibt es in dieser Stadt nicht zu wenige (anscheinend über 1000!). Im Angkor-Gebiet angekommen hat es vor jedem Tempel sicherlich zehn kleine Restaurants aneinandergereiht und die Preise sind überraschend teuer für die sehr simplen Gerichte. Doch was den lieben Touristen wohl am meisten Kopfzerbrechen bereitet sind die Scharen an Kinder welche vor jedem Tempel lauern und unglaublich verzweifelt Broschüren, Bücher, Schmuck etc. zu verkaufen versuchen. Nie zuvor haben wir solch gerissene Verkaufstaktiken gesehen! Und alles was man denkt ist: warum bist du hier und nicht in der Schule? All diese Leute, die Tuktukfahrer, Restaurantbesitzer und die Strassenverkäufer sind unglaublich Hartnäckig und fast schon Verzweifelt. Verständlich, denn sie alle bezahlen täglich Schmiergeld an die Polizei. Und dies nicht zu wenig: jedes der erwähnten Kinder bezahlt pro Tag 3 Dollar, bei 1000 Kinder macht das nur satte 3000 Dollar „Sackgeld“ an die Polizei!

Aber nicht nur die Menschen, auch die Natur wird ausgebeutet. Und zwar bis aufs Letzte und dazu noch unwiderruflich. Über die neue Weltmacht China hat man ja schon viel gehört und gelesen, doch noch nie haben wir sie so allgegenwärtig gesehen wie in Cambodia. Das Gebiet um Krong Koh Kong im Südwesten des Landes, gleich an der Grenze zu Thailand, ist sehr stark durch den chinesischen Grössenwahn betroffen. Die Landschaft ist sehr einmalig: Hügel überwuchert von dichtem Dschungel und die grössten Mangrovenwälder Asiens. Doch wie lange noch? Hunderte von Hektaren werden jährlich abgebrannt um monotone Gummibaum-Plantagen anzulegen. Versprochen werden Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung, doch schlussendlich macht Cambodia einen schlechten Deal. In der eigentlich kleinen Stadt Koh Kong wohnen mittlerweile hunderttausende von chinesischen Arbeitern, eingeflogen von der Chinesischen Volksrepublik. Auch in der „Schweiz“ Cambodias, wie es im Lonely Planet steht, dem wunderschönen Mondulkiri, passieren ähnliche Dinge. Ein touristisches Highlight da ist der „Oceanforest“, ein Aussichtspunkt über die endlosen Tropenwälder. Doch überall sieht man Rauchschwaden oder bereits existierende Gummiplantagen – alles in chinesischer Hand. Wirtschaftlichen Aufstieg, doch zu welch hohem Preis? Eine Australierin welche für eine NGO arbeitet die genau das zu bekämpfen versucht hat uns erzählt, dass die Naturschutzgebiete dezimiert werden: die Regierung verkauft die ganze Diversität des Landes. Was tun? Viele NGOs probieren der Regierung klar zu machen was die Lösung sein kann: ECO-Tourismus! Gerade abgelegene Gebiete wie Mondulkiri ziehen Naturfreaks an und die meisten sind bereit ein bisschen mehr zu bezahlen für beispielsweise Trekks wenn sie wissen, dass man damit den Schutz der Natur unterstützt. So hoffen wir, dass diese Botschaft ankommt denn langfristig bringt der Tourismus mehr Geld als die Chinesen. Doch die NGOs kämpfen gegen einen mächtigen Gegner. Denn die Chinesen bringen nicht nur schlechtes. Beispielsweise haben sie viele Strassen gebaut in Gebiete die bis anhin nicht an das Strassennetz Cambodias angebunden waren. Aber auch dies wieder nur aus eigennützigen Gründen – so können die chinesischen Firmen das geförderte Tropenholz transportieren…

Ein Schweizer den wir getroffen haben und der das Land gut kennt sagte uns, wenn ihm jemand anbieten würde durch eine Glaskugel zu schauen um Cambodia in zehn Jahren zu sehen, er hätte Angst davor – zu schnell und rücksichtslos geht die Entwicklung vor sich.

 

-Sex-Tourismus und die ,professional Girlfriends‘

Und nun zu einem schwierigen Thema, was zwar nicht nur in Camboda ein Problem ist aber uns das erste Mal in diesem Ausmass vors Auge geführt wurde. Wir können nicht sagen wie viele europäische Männer aller Altersgruppen wir in Gesellschaft blutjunger und wunderschönen Cambodianerinnen gesehen haben. Diese Frauen/Mädchen sind in den wenigsten Fällen Prostituierte sondern mehrheitlich sogenannte „professional Girlfriends“. Sie werden also nicht direkt für Sex bezahlt sondern begleiten die von ihnen ausgesuchten Männer für eine Zeit – bezahlter Urlaub mit „Zusatzdienst“. Man kann diese Männer naiv nennen, gibt es vor allem viele jüngere die nicht realisieren, dass das durchschnittliche Cambodianische Mädchen nicht in einer Bar herumsitzt wo sich hauptsächlich europäische Touristen aufhalten und auch nicht einfach so eine kurze Affäre eingehen würden. Andere, vor allem die Älteren, die wissen müssten dass dies mit Spass und Verliebtsein sicherlich nichts zu tun hat, handeln egoistisch und nicht ihrem Alter entsprechend. Für viele Frauen bleibt der eigentliche Wunsch, nämlich die Hochzeit mit einem „Farang“, unerfüllt. Die Männer geniessen den Egopusch und kehren dann nach ihren Ferien stolz ins Heimatland zurück und denken wahrscheinlich noch, dass sie der Frau mit dem „Sackgeld“ welches sie ihr zuletzt noch zugesteckt haben einen guten Dienst erwiesen haben. Sehen sich womöglich noch als Wohltäter. Doch natürlich kann man die Schuld nicht einfach den Männern zuschieben. Es ist halt auch ein falsches System wenn die Frauen, die meist aus sehr armen Landregionen stammen, keine andere Tätigkeit ausüben können mit welcher sie einen derartigen sozialen Aufstieg erreichen. Denn Finanziell gesehen ist die Arbeit als „professional Girlfriend“ einer der bestbezahlten Jobs im Lande.

 

-Vielfalt und Schönheit der Natur

Cambodia hat sich uns in seiner ganzen Schönheit und Vielfalt gezeigt: Das Herz, der magische Mekong-Fluss, grüne Reisfelder soweit das Auge reicht im Zentrum des Landes, der Tonle Sap See wo viele Menschen in schwimmenden Dörfern leben… zauberhafte Strände, Mangrovenwälder und dichter Dschungel an der Küste und auf den Inseln. Bergige Gebiete im Osten des Landes, die auf ca. 800 m.ü.M. angenehme Abkühlung von der glühenden Hitze schenken. Aber an diesem Punkt möchten wir die Bilder für sich sprechen lassen und hoffen, dass wir mit dem ewig langen Text niemanden gelangweilt haben!

 

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Eine Reise per Wasserstrasse; 10 Stunden zu Schiff von Siem Reap nach Battambang

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Schwimmende Dörfer auf dem "Tonle Sap"; wo Menschen mit und auf dem Wasser leben

Die Kinder Kambodschas sind ein Grund, weshalb man das Land sofort ins Herz schliesst

Die Kinder Kambodschas sind ein Grund, weshalb man das Land sofort ins Herzen schliesst

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Der berühmte "Bamboo-Train"; bis vor einigen Jahren noch ein Haupttransportmittel der Khmer, heute vokalem Touristen-Attraktion

Der berühmte "Bamboo-Train"; bis vor einigen Jahren noch ein Haupttransportittel der Khmer, heute vokalem Touristen-Attraktion

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Eine abenteuerliche Konstruktion, nicht ganz nach europäischen Sicherheitsstandards...!

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Die Küste von Kep, Aussicht auf "Rabbit-Island"

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Überfahrt nach Rabbit-Island

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Unser geliebtes Guesthouse in Kampot: Ollies Place, ein Ort zum Verweilen

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Salzgewinnungs-Felder auf der "Fish-island" in Kampot

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An den Ufern des "Preaek tuek chhu" Flusses in Kampot

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Merlin the Biker

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Alte Kirche auf der Bokor-Hillstation, einst Ferienort der Franzosen, heute bauen die Chinesen fleissig Hotelbunker und Kasinos

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Bokor von Wolken umhüllt

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Kampot, ein freundliches Städtchen ganz im französischen Kolonialstil

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Strassenimpressionen

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Für solche Sonnenaufgänge lohnt sich frühes Aufstehen! --> Bitte klicken für Vollbildansicht

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An den Ufern des Mekongs, die Lebensader Südostasiens

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Typisches Khmer-Haus

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Ein alter französischer Leuchtturm in Kampong Cham

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Schwieriger Auf- und Abstieg

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Aussicht vom Turm auf die grüne Landschaft

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Andrea während ihrer ersten Fahrstunde

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Mondulkiri: Blick auf den Forest-Ocean

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Merlin füttert eine Elefantenkuh - in Modulkiri werden Elefanten noch immer als Nutztiere gehalten

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Einer der vielen Wasserfällen in Cambodia

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Mondulkiri, nach dem Lonely Planet Reiseführer die "Schweiz Cambodia's"

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Eine weitere Bootsfahrt - dieses mal ging es in den Dschungel um von da aus zu wandern!

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Die Mangroven-Wälder in Krong Koh Kong sind die grössten in ganz Asien

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Aussicht während des Dschungel-Trekkings

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Schweissstreibende Hitze und steile Aufstiege liessen uns nach diesem Trek SEHR gut schlafen

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Die berühmte Jackfruit (nicht zu verwechseln mit der stinkenden Durian-Frucht!)

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